Ist Travel Influencing noch okay?

Frühstück in Berlin, shoppen in Paris, ein Meeting in Zürich, Christmas Shopping in New York und den Sommer in Bali verbringen. Oder wie man das auch nennt: Travel Influencing. Für das perfekte Bild ist Influencern kein Kilometer zu weit und kein Flugzeug zu unbequem, denn mit den vielen Likes, die sie dafür bekommen, finanzieren sie sich ihr Leben. Für die Klimajugend ein klares No-Go.

Doch seit nun mehr als einem Jahr streiken Menschen, besonders Schülerinnen und Schüler, auf der ganzen Welt, um sich für unser Klima und somit eine bessere Zukunft einzusetzen. Was zu Beginn als «Grund zum Schwänzen» abgestempelt wurde, heisst heute «Fridays for Future» und spielt eine immer wichtigere Rolle. Mancher Politiker hat den Ernst der Lage begriffen und setzt sich für unsere Welt ein. Die Debatte überträgt sich aber auch auf das persönliche Engagement. So entbrannten um das Thema „Flugreisen“ hitzige Diskussionen. Obwohl jeder weiss, dass bei einem Flug enorme Mengen an CO2 ausgestossen werden, haben sich die regelmässigen Ausflüge in Grossstädte oder das Jetten um den Globus im Sommer zu einem Standard unserer Gesellschaft entwickelt. Ein grosses Problem für unser Klima, weshalb bereits viele der Klimaaktivisten aufs Fliegen verzichten und ihre Ferienreisen zum Beispiel mit dem Zug machen.

Man könnte also davon ausgehen, dass die Vielfliegerei von Travel Influencern verpönt ist und vor allem auf Social Media einen Shitstorm abbekommt, doch man irrt sich gewaltig. Beobachtet man die Profile der Travel Influencer ein wenig, fehlen von bösen Kommentaren oder sogar Entfolgenden jede Spur. Dies bestätigt auch Monica Moreire (167’000 Follower) gegenüber dem Onlineportal Watson. Auf ihrem Profil selbst findet man die schönsten Bilder, von den Philippinen, aus Portugal oder zurzeit aus Vietnam, doch in ihren Augen gehe es bei den Klimasündern mehr um «unnötige» Reisen von Geschäftsleuten, die für ein, zwei Meetings in eine Stadt fliegen, obwohl man diese auch über ein Onlinetool (wie Skype) hätte machen können. Ein etwas egoistischer Gedanke, in Anbetracht der globalen Probleme und der Reichweite bzw. ihrem Einfluss?

Wenn man bedenkt, dass Influencer eine Art Ikone oder Vorbild für ihre Follower sind und mit Sicherheit eine grosse Inspiration für Feriendestinationen sind, ist es schade, dass sie diese «Macht» nicht weiser nutzen.

Nicola Bossard von den Jungen Grünen des Kanton Aargau fordert deshalb mehr Verantwortungsbewusstsein von den Influencern. Es gäbe im eigenen Land ebenso schöne Destinationen mit Instagram-Potential wie in anderen Ländern. Und als grosser Pluspunkt: Diese sind sogar mit dem Zug erreichbar.

Doch werden Travel Influencer je ihren Beruf wechseln müssen? Wahrscheinlich nicht, denn auf sozialen Medien, wie Instagram, werden schöne Bilder immer genügend Likes und somit Geld einbringen, sodass sich Travel Influencer auch allfällige Klimasteuern auf Flüge ohne Weiteres leisten können. Zuletzt bleibt die Hoffnung, dass sich ein schlechtes Gewissen entwickelt und sie noch wachrüttelt, bevor es zu spät ist.

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