Wie nachhaltig sind E-Autos wirklich?

Seit die grüne Welle auf die Schweiz übergeschwappt ist, sind elektronische Automobile in aller Munde. Doch wie viel besser schneiden die E-Autos in punkto Nachhaltigkeit gegenüber der mit Brennstoff betriebenen Konkurrenz wirklich ab?

Bildquelle: Ecomento.de

Im Frühjahr hat mit „Fridays for Future“ die grüne Welle Einzug in der Schweiz gehalten. Plötzlich gab es jeden Freitag in den grösseren Städten eine Demonstration fürs Klima und gegen den übermässigen Konsum, gegen die Zerstörung unseres Planeten. Oft im Fokus der Demonstranten: Die Sprit-fressenden Autos! Sie sollen mitverantwortlich an der globalen Klima-Misere sein. Und verweisen sogleich auf die Lösung aller (oder zumindest eines Teils) der Probleme: Die E-Autos! Bisher eher belächelt, sind sogenannte E-Autos seit den globalen Protestaktionen viel stärker in den Fokus gerückt. An grösseren Bahnhöfen und in Shoppingcentern gibt es mittlerweile Zapfsäulen, nur eben für Strom – und nicht für Sprit. Alle etablierten Autohersteller preisen jetzt ihre E-Autos an. Doch wie ressourcensparend sind diese wirklich?

Streitpunkt Batterie

Um ein Elektromobil überhaupt betreiben zu können, braucht es eine Batterie. Diese wiegt in der Regel zwischen 200 und 300 Kilogramm und besteht aus Rohstoffen wie Lithium und Kobalt. Und letzteres stammt aus dem politisch korrupten und instabilen afrikanischen Land Kongo. Die Arbeitsbedingungen in den Minen sind schlecht, Kinderarbeit gehört zur Tagesordnung wie auch der gefährliche Abbau, der nicht selten zu tödlichen Arbeitsunfällen führt. Gerade solche Meldungen bringen den nachhaltigen Ruf von E-Autos stark in Verruf. Und nicht nur die Arbeitsbedingungen sind ein Thema, sondern auch die Umweltverschmutzung durch den Anbau selber. Flüsse werden durch den Raubbau verschmutzt und die Gewinnung ist energieintensiv. Ein gewichtiger Faktor spielt auch die Grösse und Leistung des Autos. So ist es klar, dass die Produktion einer Batterie für einen Tesla um einiges energiefressender ist als die für einen kleinen Personenwagen. So stösst die Produktion eines Akkus für einen Tesla S zwischen 15 und 20 Tonnen CO2 aus. Ein kleiner Akku, wie dies bei einem Renault Zoe der Fall ist, kommt auch schon mal mit 4,5 Tonnen CO2 durch. Um wirklich nachhaltige Akkus produzieren zu können, muss sich also noch einiges ändern. Vor allem sollten Autohersteller ihre Lieferketten ernster und auch strenger prüfen, damit alle Arbeitsbedingungen und Umweltstandards in Abbauländern, wie dem Kongo, auch wirklich eingehalten werden.

Entscheidend ist der lokale Strommix

Ein Elektroauto kaufen, an den Strom anschliessen und damit sofort die Umwelt schützen? Leider nicht ganz zu Ende gedacht. So verursacht die Stromproduktion generell immer Emissionen. Und so sind auch E-Autos nicht gänzlich CO2-frei. Ein Elektromobil soll in Deutschland um die 155 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen, in der Schweiz hingegen nur rund 30 Gramm. Wie geht das? Hier spielt der lokale Strommarkt eine sehr entscheidende Rolle. In Deutschland kommt ein nicht zu unterschätzender Teil des Stroms, nämlich stolze 35 Prozent, aus der dreckigen Kohlekraft. Ein weiterer Teil aus Gaskombikraftwerken oder Kernkraftwerken. So erstaunt es auch nicht, dass E-Autos in Deutschland im Test viel schlechter abschneiden. Im Vergleich zu Deutschland haben wir in der Schweiz nämlich einen viel saubereren Strommix: Gemäss dem Bundesamt für Energie kommen 56 Prozent aus der Wasserkraft, rund 6 Prozent aus der Solarwind- und Biomasse, 17 Prozent von Kernkraftwerken und der übrige Rest aus Abfällen und fossilen Brennstoffen.

Mobilität reduzieren?

Fakt ist: Die E-Autos sind ein willkommener Ansatz, wie die Mobilität in der Zukunft nachhaltiger gestaltet werden kann. Zwar hat das gesamte Konzept noch viele Kinderkranken, doch es geht (langsam) in die richtige Richtung. Ob der ganzen Debatte, welche Antriebsform nun die bessere ist, geht immer ein Punkt vergessen: Mobilität hat seinen Preis. Egal, ob Flugpisten, Eisenbahnstrecken oder Autobahnen: Alles braucht seinen Platz und wird stetig ausgebaut. Und das Mobilitätsbedürfnis ist in den letzten Jahrzehnten markant gestiegen. Immer häufiger legen wir längere Distanzen zurück. Ob das jetzt für die Arbeit, für das Studium oder für den Urlaub ist. Dabei sollten wir uns immer die Frage stellen, wie wir unseren eigenen Mobilitätskonsum reduzieren könnten. Denn nur mit einem gesunden Mobilitätsverhalten können wir auch die Emissionen nachhaltig vermindern. Eine mögliche Lösung wäre das Bilden von Fahrgemeinschaften oder das Nutzen von Carsharing-Angeboten wie Mobility. Mittlerweile gibt es in unzähligen Gemeinden und sogar an kleineren Bahnhöfen solche Angebote.

Quellen

https://www.deutschlandfunk.de/kobaltabbau-im-kongo-saubere-autos-dreckige-batterien.766.de.html?dram:article_id=436683

https://www.energie-experten.ch/de/mobilitaet/detail/wie-stark-belastet-die-batterieherstellung-die-oekobilanz-von-elektroautos.html
https://www.focus.de/auto/elektroauto/e-auto-batterie-viel-mehr-co2-als-gedacht_id_7246501.html
https://www.ivl.se/english/startpage/top-menu/pressroom/press-releases/press-releases—arkiv/2017-06-21-new-report-highlights-climate-footprint-of-electric-car-battery-production.html

One thought on “Wie nachhaltig sind E-Autos wirklich?

  1. Vielen Dank für diesen Artikel. Der lokale Strommix wird viel zu oft ausser Acht gelassen. In der Schweiz ist dieser sehr gut. In Ländern mit viel Braunkohle kann dies ganz anders aussehen…

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.