Hanf – gewachsen, um nachhaltig zu wirken

Eigentlich planten wir von easynachhaltig mit unserem THC-freien Hanf eine Guerilla-Aktion. Da sich seine Lebenszeit langsam dem Ende zuneigt und die Pflanze kaum mehr als Hanf erkennbar ist, hätte unsere Aktion wohl nur Kenner erreicht. Einen informativen Blog-Beitrag wollen wir euch trotzdem nicht vorenthalten. In diesem Beitrag räumen wir mit den Vorurteilen von Hanf auf und zeigen faktenbasiert die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten der Cannabispflanze auf.

Schon im 16. Jh. wurde Hanf für die Textilproduktion verwendet.

Mein Ururgrossvater, der Hanfkönig

Schon im Alten China wurden Hanffasern verwendet. Prähistorische Funde zeigen es: Bereits die Ägypter, König Salomon, die Gallier, Kelten und auch unsere Ururgrossväter – alle benutzten sie Hanf. Zu Beginn diente Hanf zur Textilherstellung, ab 2300 v. Chr. als Arzneimittel und zur Zeit der antiken Römer als Quelle wichtiger Fette und Proteine. Anfang des 19. Jahrhunderts erlebte die Baumwollindustrie einen Boom, gleichzeitig verlor der Hanf an Attraktivität und schliesslich wurde der Anbau von Cannabis 1951 in der Schweiz verboten.

Drei Hanffamilien mit unterschiedlicher Wirkung

Cannabis, eine Hanfpflanze, existiert in mehr als tausend Sorten, die sich in ihren Eigenschaften unterscheiden. Sie alle gehören einer der drei Familien an, nämlich der Sativa, der Indica oder der Ruderalis.

Hanf der Familie Sativa enthält einen hohen Gehalt an THC (Tetrahydrocannabinol) bei einem tiefen Gehalt an CBD (Cannabidiol), was sich insgesamt aktivierend und motivierend auf den Menschen auswirkt. Das THC steigert Aufmerksamkeit und Appetit sowie die Kreativität. Von der aufheiternden Wirkung profitieren beispielsweise Personen, die unter Depressionen leiden.

Hanf der Familie Indica zeigt eine berauschende Eigenschaft, lindert Schmerzen, reduziert Entzündungen und kann durch seine entspannende Wirkung den Schlaf verbessern. In der Medizin wird dieser Hanf unter anderem bei spastischen Patienten verschrieben, um Schmerzen zu lindern, welche anderweitig nicht therapierbar sind.

Hanf der Familie Ruderalis findet hauptsächlich in Russland und der Mongolei Verwendung und ist in der medizinischen Forschung wegen des hohen CBD- und tiefen THC-Gehaltes interessant. Im Aussehen unterscheidet er sich stark von den beiden anderen Familien Indica und Sativa. Er trägt kaum Blätter, gedeiht jedoch in rauen Regionen, etwa in Sibirien.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde nicht nur mit medizinischem Hanf erfolgreich Forschung betrieben, vielmehr boomt selbst der Nutzhanf, aus welchem Hanföl, Hanfsamen oder Hanffasern gewonnen werden.

Vielseitiger Nutzen in der Landwirtschaft

In der Landwirtschaft hat der Nutzhanf wieder an Bedeutung gewonnen. Der Hanf kann nahezu überall angebaut werden, ist robust, wirkt durch sein dichtes Laub gegen Unkraut, überlebt dank seinen tiefen Wurzeln regenarme Zeiten und kann vollständig verwertet werden.

Hanf im Einsatz gegen verstrahlte Böden.

Hanf als Schutz für Böden, Grundwasser und gut für die Artenvielfalt

Der Anbau von Winterhanf und Faserhanf bietet eine Möglichkeit, die Stickstoffdüngung zu beschränken. Winterhanf wird, wie es der Name sagt, über den Winter auf dem Feld gelassen und erst im März geerntet. Er bindet über die kalte, nasse Jahreszeit Stickstoff und bewahrt den Boden vor Auswaschung in Grund- und Oberflächengewässern. Sein abgestorbenes Kraut isoliert und bietet Kleintieren einen Unterschlupf. Ausserdem schützt der Winterhanf den Boden vor Erosion. Erstaunlich ist, dass Winterhanf kein Pflanzenschutzmittel benötigt und er nach der Ernte seiner Pfahlwurzeln einen bis in die Tiefe lockeren Boden hinterlässt, was sich revitalisierend auswirkt, sowohl auf Mikroorganismen als auch auf die Biodiversität.

Noch grössere Auswirkungen auf die Umwelt und den Boden zeigt ein Beispiel aus der Region Tarent in Italien. Dort sind die Böden mit Dioxin verschmutzt, welches für Mensch und Tier hochtoxisch ist. Die Hanfpflanze schafft es, mit einem Prozess namens Phytoremediation den Boden zu entgiften, Abwässer zu klären und Luft in geschlossenen Räumen zu säubern. Die Wurzeln absorbieren giftige Stoffe, spalten sie teils in unbedenkliche Komponenten auf und speichern diese ab.

Die beschriebene Phytoremediation macht sich auch ein Forschungsteam in Tschernobyl zu Nutzen. Zusammen mit anderen Nutzpflanzen säubert es den verseuchten Boden von den radioaktiven Isotopen Cäsium-137, Strontium-90 und dem Element Plutonium. Weiter absorbiert Hanf besonders gut Schwermetalle wie Zink, Cadmium, Chrom und Nickel, wohl bemerkt ohne selbst Schaden zu nehmen in der Morphologie (Aufbau) des Hanfes.

Hanf im Alltag

Die Hanfpflanze kann nahezu vollständig verwertet werden: Aus den Hanfsamen wird hochwertiges Speiseöl gepresst oder Nahrungsergänzungsmittel produziert, aus den Fasern können Seile, Papier, Dämmstoffe oder Textilien hergestellt werden und die sogenannten Schäben, also der holzige Teil der Hanfpflanze, finden als säurefreie Streu in Stallungen Verwendung.

Hanf kann in verschiedensten Formen konsumiert werden.

Nahrung

Bereits die antiken Römer wussten von der Reichhaltigkeit der Hanfsamen. Sie nannten Hanf «Cannabis». Heute wissen wir sehr viel mehr über dessen Wirkung: Die Hanfsamen enthalten in einem ausgeglichenen Verhältnis alle für den Menschen essentiellen wie auch semi-essentiellen Aminosäuren. Das bedeutet, dass die Synthese der Proteine aus den Bausteinen den Aminosäuren optimal funktioniert und wir theoretisch mit Hanfsamen als Proteinquelle lange Zeit überleben könnten. Zudem profitieren Sportler nebst der hohen Verträglichkeit des Proteinpulvers im Vergleich zu Milch-, Soja- oder Weizenproteinen vom hohen Anteil an BCAA-Proteinen, die sich positiv auf den Muskelaufbau auswirken. Der hohe Anteil an L-Arginin (Aminosäure) wirkt zudem blutdrucksenkend und durchblutungsfördernd.

Ganz nebenbei versorgen uns Hanfsamen mit wertvollen Mineralien und Fettsäuren, der grösste Teil von ihnen sind einfach oder mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Erhältlich sind geschälte Hanfsamen etwa bei Migros und Coop. Bedenkenlos können die nussig schmeckenden Samen ins morgendliche Müesli gemischt werden, denn sie wirken nicht berauschend.

Aus den Samen wird ebenfalls Hanföl gewonnen, welches gegen Magen- und Verdauungsbeschwerden, bei Schlafstörungen oder zur Stärkung des Immunsystems eingenommen werden kann. Das Sortiment aus Hanfsamen und Hanföl ist breit: Kosmetik- und Pflegeprodukte, Tee, Mehl, Bonbons und medizinal Produkte.

Hanf als beliebter Rohstoff in verschiedenen Branchen

Hanf in der Industrie

Aus den Hanffasern produzierten die Europäer seit dem 13. Jahrhundert Papier. Es war über Jahrhunderte der meist verbreitete Rohstoff für die Papierherstellung und wäre heute noch berechtigt. Denn Hanf wächst um ein Vielfaches schneller als Bäume und enthält deutlich mehr Zellstoff. Die Qualität der Faser überbietet jene des Holzes aufgrund ihrer stabilen und reissfesten Eigenschaften. Dies weiss man in der Bauindustrie zu schätzen. Isolationsmatten aus Hanffasern bleiben durch ihre natürlichen Abwehrstoffe noch lange nach der Verarbeitung resistent gegen Pilzbefall und diverse Schädlinge.

Momentan werden Hanftextilien bei Modegiganten kaum angeboten, doch könnten sie in Zukunft mit Baumwolle konkurrieren. Während die Baumwolle im Wuchs 10’000 Liter Wasser pro Tonne Fasern benötigt, kommt die Hanffaser mit 95% weniger aus, nämlich 500 Liter pro Tonne. Dazu könnte sie auf der ganzen Welt angebaut werden, wodurch Transportwege eingespart werden würden.

Die Hanffaser besteht grösstenteils aus Zellulose (77%), mit dem sich biologisch abbaubarer Kunststoff herstellen lässt. Trotzdem ist der momentan grösste Abnehmer von Industriehanf in der Schweiz die Pharmaindustrie und in Deutschland die Automobilbranche.

Quellen:

https://www.hanfhaus-reutlingen.de/hanf-und-seine-geschichte

https://de.wikipedia.org/wiki/Nutzhanf – Geschichte

https://www.bioaktuell.ch/pflanzenbau/ackerbau/weitere-ackerkulturen/hanf.html
https://www.ch.ch/de/cannabis/
https://www.swissmedic.ch/swissmedic/de/home/news/mitteilungen/produkte-mit-cannabidiol–cbd—-ueberblick.html
https://www.ecowoman.de/mode/fashion/hanf-ist-ein-nachhaltiger-rohstoff-der-erdoel-produkte-ersetzen-kann-2508
https://pflanzen.fnr.de/energiepflanzen/gewaesserschutz/

https://www.oekolandbau.de/landwirtschaft/pflanze/spezieller-pflanzenbau/oelfruechte/oekologischer-hanfanbau
https://www.cbsnews.com/news/cannabis-plant-soil-decontamination-italy-vincenzo-fornaro//

https://www.dinafem.org/de/blog/cannabis-aufbereitung-verseuchte-boden/
https://sensiseeds.com/de/blog/hanf-und-die-dekontamination-von-radioaktivem-boden/
https://www.cbd-vital.de/magazin/cbd-allgemein/hanfsamen-benefits
https://www.zentrum-der-gesundheit.de/hanfprotein-ia.html
https://www.altii.de/en/topics/305/nachhaltige-investments-mit-dem-bio-rohstoff-hanf/

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