Klimasünder Nr.1

Für bereits 50 Schweizer Franken kommt man in Europa ziemlich weit. Billigflugairlines setzten in den letzten Jahren alles daran, den Konsumenten möglichst günstig von Rom nach Paris oder von Berlin nach Amsterdam bringen zu können. Kaum anders sieht es auch bei unseren Lebensmitteln aus. Die Produktion von Fleisch, Milch und Eiern macht einen Drittel der konsumbedingten Umweltbelastungen aus. Des Öfteren hört man die Aussage: «Ich esse ja kein Fleisch, dann kann ich sicher auch mal fliegen.» Es stellt sich also die Frage, ob ein nachhaltiges Leben zuhause die grosse Südamerikareise im Sommer oder zwei bis drei Städtetrips im Jahr wieder gut machen kann, oder ob es besser ist, wenn ich zwar Fleisch esse, dafür aber nicht fliege?

Kurz gesagt: weder noch. Am idealsten wäre es, komplett klimaneutral zu leben. Dies ist jedoch ein Lebensstil, der fast unmöglich ist. Man müsste vegan leben, am besten aus dem eigenen Garten – somit wäre alles lokal und das Gemüse würde keine Kilometer in einem Lastwagen zurücklegen. Auch in Bezug auf den Haushalt müsste man sich so einrichten, dass man einen Zero-Waste-Haushalt führen- und somit keine Wegwerfware besitzen würde und komplett auf Plastik verzichtet. Beim Thema Ferien ist ein Flugverzicht natürlich nicht wegdenkbar, auch das Auto hätte keinen Platz mehr im Leben. Das go-to Transportmittel wären die Füsse, das Fahrrad und der öffentliche Verkehr. Es ist jedoch verständlich, dass wir nicht perfekt sind und eine solche Umstellung nicht von heute auf morgen passieren kann. Für Jene, die doch gerne ihren CO2-Fussabdruck verkleinern möchten, gibt es folgende Alternativen:

1. Muss es immer die ganze Welt sein?

Ich kann es nachvollziehen, dass man gerne die ganze Welt sehen möchte und dass man sich die Ferien im Sommer eigentlich verdient hat. Aber muss es wirklich jedes Mal eine Reise mit dem Flugzeug quer durch die halbe Welt sein? Diesen Sommer war ich selbst drei Wochen mit Interrail unterwegs und habe vier tolle Städte gesehen. Es war eine sehr abwechslungsreiche Zeit und ich musste kein einziges Mal ein Flugzeugabendessen zu mir nehmen. Reine Reisekosten hatte ich 380 Franken. Natürlich wäre es auch schön gewesen, innert einer Stunde in der nächsten Stadt zu sein, doch eine sechs-stündige Zugfahrt kann ebenso lustig und schön sein. Wenn man gut plant, kann man sich zusätzlich eine Übernachtung am Zielort sparen. Falls du doch des Öfteren fliegst, kannst du hier nachschauen, wie du deinen CO2-Verbrauch kompensieren kannst.

2. Röstiplätzli statt Rindsplätzli

Ein Factsheet von Swiss Climate schreibt, dass die Produktion von 80kg Rindfleisch rund eine Tonne CO2 verursacht. Eine enorme Menge, wenn man bedenkt, dass pro Kopf in der Schweiz ca. 6,4 Tonnen CO2 erzeugt werden. So stellt sich die Frage, ob es wirklich einmal pro Tag Fleisch geben muss, oder ob man auch mal auf regionales Gemüse oder Kartoffeln umsteigen könnte? Ich möchte jedoch anmerken, dass, wenn man auf Fleisch verzichten möchte, der Umstieg auf Lebensmittel wie Quinoa, Soja oder Avocado nicht wirklich nachhaltiger ist. Hier findest du einen Saisonkalender, welcher dir zeigt, wann welche Lebensmittel Saison haben.

Angebot ist gleich Nachfrage

Gerne würde ich zum Ende anmerken, dass das Angebot immer auf einer Nachfrage basiert. Es gibt all diese billigen Flugangebote, weil sie gefragt sind und auch das Fleischregal im Supermarkt ist nur so gross, weil wir uns den Standard angewöhnt haben alles überall und immer zu bekommen. Wenn man nun anfängt den persönlichen Lebensstil ein wenig zu ändern, verringert sich die Nachfrage und das Angebot geht zurück. Mit dem Prinzip «s’hät, solangs hät» könnte man nicht nur den persönlichen CO2-Fussabdruck, sondern auch den globalen verringern.

Falls du also demnächst Ferien planst oder ein Abendessen kochen möchtest, denk daran: Eine Zugreise kann zwar länger gehen und vielleicht ein bisschen mehr kosten, doch dein Gewissen und die Umwelt werden dir dankbar sein. Ebenfalls gibt es tolle Gerichte, die einerseits fleischlos und anderseits super saisonal und nachhaltig sind. Und schmecken tun sie genauso.

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