SBB will bis 2040 klimaneutral werden

Die Eisenbahn gilt in der Schweiz seit jeher als ökologisches Fortbewegungsmittel. Wie wichtig ist das Thema Nachhaltigkeit bei der SBB und woher bezieht diese den Strom, um ihre Züge ins Rollen zu bringen? Im Interview mit der Leiterin Nachhaltigkeit bei der SBB, Christina Meier.

  • Sie verantworten bei der SBB den Bereich Nachhaltigkeit. Wie muss sich der Laie diesen Verantwortungsbereich bei einem Unternehmen mit über 30’000 Mitarbeitern vorstellen?

Der Bereich Nachhaltigkeit bei der SBB umfasst die Nachhaltigkeitsstrategie, die wir mit anderen Abteilungen wie HR und Sicherheit entwickeln. Wir haben das Nachhaltigkeitsreporting bei uns und in der Tiefe die Umweltfachführung mit den Divisionen zusammen. Dort in den ganzen Divisionen sind ungefähr 100 Leute, die Umweltaufgaben lösen, von Energie bis Gefahrenstoff. So können wir gute Nachhaltigkeitsleistungen erbringen.

  • Die SBB fährt zu 95 Prozent mit Wasserkraft. Können Sie uns kurz das System dazu erklären? (Stichwort eigene Kraftwerke à wissen viele Leute nicht)

Die SBB fährt momentan mit 90 % Wasserkraft und 10 % Atom. Im 2025 werden wir komplett auf 100 % erneuerbare Energie umstellen. Dies erreichen wir, indem wir unsere sieben Wasserkraftwerke für die Produktion benützen und auch externen Strom aus dem In- und Ausland hinzukaufen werden.

  • Das ökologische Bewusstsein ist gerade 2019 viel stärker ausgeprägt als noch vor wenigen Jahren. Ändert dies etwas an ihrer Arbeit?

Natürlich spüren wir die Grüne Welle in unserer Arbeit. Wir kriegen viel mehr Anfragen, sowohl in– als aus extern. Wir haben viel mehr Arbeit, aber es ist schön Rückenwind zu haben und vorwärts zu kommen mit den Projekten.

  • In diesem Jahr stehen mit dem bereits eingeführten FV-Dosto und ab Fahrplanwechsel mit dem Giruno zwei neue Fahrzeuge auf den Schweizer Schienen. Inwiefern hat die Investition in neues Rollmaterial einen Einfluss auf die Nachhaltigkeit der SBB?

Gerade wenn wir neues Rollmaterial anschaffen, kommen bereits in die Ausschreibung immer Kriterien rein, in Bezug auf «energiesparend» zum Beispiel. Dies mit dem Ziel, dass dass das neue Rollmetarial auch den neusten Anforderungen entspricht.

  • Im Sommer 2019 hat die SBB bekannt gegeben, Alternativen zum Einsatz von Glyphosat auszutesten. Wie ist der aktuelle Stand und mit welcher Alternative soll dies erreicht werden?

Aus Sicherheitsgründen muss die SBB ihre Gleise und Signale von Unkraut befreien. Im Moment brauchen wir dafür Glyphosat. Ungefähr zwei Prozent des ganzen Schweizer Verbrauchs wird durch die SBB benutzt, der Rest wird in der Landwirtschaft eingesetzt. Aktuell passiert dies noch von Hand, jedes Unkraut wird einzeln besprüht, um nur das Minimum zu verwenden. Jetzt wollen wir davon wegkommen. 2025 wollen wir ohne Unkrautvertilger arbeiten. Wir testen gerade verschiedene Sachen, u.a. einen Heisswasser-Zug, der mittels Kamera das Unkraut erkennt und dann mit heissem Wasser besprüht und vernichtet. Es gibt aber auch noch andere Sachen, wie bauliche Massnahmen, damit gar kein Unkraut wachsen kann oder tiefwachsende Pflanzen, die angesiedelt werden, damit keine weiteren darüber wachsen können. In dem Thema forschen wir mit anderen Bahnunternehmen in ganz Europa.

  • Nicht nur die Schiene steht bei Ihrer Nachhaltigkeitsstrategie im Fokus: Das Personal braucht natürlich auch Berufsbekleidung. Wie stellen Sie sicher, dass die Textilien nicht aus umweltschädlicher Produktion in Fernost stammt?

Unsere Berufskleider sind schon lange beim BSCI dabei, das ist eine Initiative, die sicherstellt, dass die Textilien mit sozial guten Bedingungen produziert werden. Unsere Leute schreiben die wichtigen Punkte schon in die Ausschreibung, damit auch die ökologische und soziale Nachhaltigkeit sichergestellt ist. Sie gehen auch vor Ort in die Fabriken auditieren, damit unsere Berufskleider auf der sicheren Seite sind.

  • Gibt es ein Thema, bei welchem die SBB Vorreiterin ist, welchem Ihrer Meinung nach von der Öffentlichkeit zu wenig Beachtung geschenkt wird?

Im Klimaschutz ist die SBB gut unterwegs. Wir haben uns vorgenommen, gegenüber 1990 unsere CO2-Emmissionen zu halbieren. Mittlerweile haben wir 44% erreicht und wollen da auch weitermachen. Das, was wir jetzt anstreben, ist, dass wir bis 2040 klimaneutral werden. Da gibt es aber noch viel zu tun: Rangierlokomotiven oder Gebäude, die umgerüstet werden müssen. Aber ich denke, dort sind wir als SBB ein Teil der Lösung für den Klimawandel.

  • Welche Projekte stehen bei Ihnen in nächster Zeit ebenfalls auf der Agenda?

Was mir besonders am Herzen liegt, ist die Artenvielfalt zu erhalten. Dort sind wir mit der SBB gerade dran, um eine neue Naturstrategie zu erarbeiten, um den Beitrag zum Artenschutz auszubauen. Wer wirklich etwas für das Klima machen will, sollte die SBB wählen. Auf vergleichbarer Strecke ist man mit dem Zug sechs Mal energieeffizienter unterwegs und 27 Mal klimaschonender als mit dem Auto.

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