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Was können wir von Masdar City lernen?

Stell dir vor, du lebst in einer Stadt, welche eine neutrale CO2-Bilanz ausweist. Stell dir ein urbanes Zusammenleben ohne Platzverschwendung vor, und das alles, ohne die Natur zu schädigen. Klingt utopisch? Ist es (noch).

Masdar City ist der Name eines ambitionierten Projektes in Abu Dhabi, an welchem seit 2008 gebaut wird. Für 22 Milliarden Dollar sollte in zehn Jahren ein Lebensraum entstehen, in welchem ausser autonom fahrenden Elektroautos keine anderen Personenwagen erlaubt sind. Sollte, denn die Bauarbeiten sind unter anderem durch den sinkenden Ölpreis massiv in Verzug gekommen. 2030 sollen die Bauarbeiten aber definitiv abgeschlossen sein. Unter dem Vorwand, dass wir von Masdar City noch nicht viel lernen können, weil noch niemand weiss, ob das Konzept funktionieren wird, könnte der Artikel an dieser Stelle also zu Ende sein.

Doch das ist der falsche Ansatz, die «Stadt der Zukunft» birgt zu viele technologische und konzeptionelle Kniffe, um diese zu ignorieren. Ein eigenes Solarkraftwerk spielt eine tragende Rolle, um das Ziel der CO2-Neutralität zu erreichen. Im Zusammenspiel mit Windrädern soll Masdar zu einem grossen Teil selbstversorgend funktionieren. Ein durchdachtes Recyclingsystem sowie wassersparende Technologien tun ihr Übriges. Masdar soll auch die erste Hochschule weltweit beheimaten, die sich ausschliesslich der Nachhaltigkeit zuwendet.

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Solarpanel von unsplash.com

Ein solches Projekt in Europa zu realisieren ist jedoch ziemlich undenkbar. Zu unterschiedlich sind die hiesigen politischen als auch sozialen Strukturen im Vergleich zu den Ländern, die Lebensräume Madar aus dem Nichts erschaffen. Auch können wir unsere eigenen Städte nicht einfach mal abreissen und neu aufbauen, sie stellen einen Teil unserer kulturellen Identität dar.

Überlegen wir uns also lieber, wie wir die klugen Ideen dieser Projekte in unserer Realität umsetzen können. Wollen wir den flächendeckenden Einsatz von Solarenergie bei allen Neubauten beschliessen? Wie können wir Gebäude bereits heute so bauen, dass diese in Zukunft unkompliziert mit moderner Technologie nachgerüstet werden können?

Ausserdem wäre es sinnvoll, wenn wir den entstandenen Asphaltwüsten in der Schweiz mit dem systematischen Pflanzen von Bäumen begegnen. Diese kühlen Städte effizient und könnten so zum verringerten Einsatz von Klimaanlagen beitragen (und sind wir ehrlich, Bäume sind auch einfach cool). Ähnliche Projekte sind bisher leider nur ein Tropfen auf den heissen Stein.

Auch könnten wir uns in der individuellen Mobilität freiwillig einschränken. Vielleicht waren die autofreien Sonntage aus den Siebzigerjahren (ironischerweise wegen Benzinknappheit) gar keine so schlechte Idee? Müssen wir immer mobil sein? Wären diese Verbotstage angekündigt, könnte jeder und jede sich langfristig darauf einstellen, und es würde vielleicht niemandem weh tun.

Beginnen wir doch mit der Umsetzung dieser Ideen schon früher, bevor Masdar City fertiggestellt ist. Die Zeit dazu ist jetzt: Wir können nicht früh genug damit anfangen, neue Ideen für ein umweltfreundlicheres Wohnen zu entwickeln.

Von Jan Müller

One thought on “Was können wir von Masdar City lernen?

  1. Ein sehr spannender Beitrag, vielen Dank im Namen der Nachhaltigkeitskommission. Gerade im Städtebau liegt viel Potenzial zu Einsparungen und sogar die Möglichkeit Energie zu produzieren. Von solchen städtebaulichen Grossprojekten kann man sicherlich auch viel auf Neubauten in unseren Gebieten übertragen. Eine besondere Herausforderung wird daneben der Umgang mit unserer historischen Bausubstanz sein. Einerseits gilt es diese zu schützen, andererseits ist diese besonders schwierg auf Energiesparen umzurüsten. Hier wird es sicher noch zu spannenden Innovationen kommen!

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