Leder – Mehr als nur ein Nebenprodukt

Wanderschuhe aus Leder damit die Füsse auch während regnerischen Touren trocken bleiben, kultigen Lederpatches, die hinten auf jeder Levi’s Jeans eingenäht sind, der Sitzüberzug des neuen Autos, Leder begegnet uns täglich in allen möglichen Formen und Lebenssituationen und ist kaum aus unserem Alltag wegzudenken. Es gilt als Naturprodukt, dessen Ursprung weit in der Menschheitsgeschichte zurückliegt. Doch wie natürlich ist Leder heutzutage noch und welche Alternativen gibt es? 

Bereits im Mittelalter gab es sogenannte Gerbereien, in welchen die Tierhäute zu Leder verarbeitet wurden. Gerbereien galten damals als schmutziges Gewerbe und zählten zu den sogenannten unreinen Handwerken. Sie mussten sich in eigene Viertel oft am Rande der Stadt zurückziehen. Die stinkenden Abwasserbrühen, die aus den Gerbprozessen entstanden, kippten sie einfach in die nahgelegenen Flüsse. 

Mittlerweile wird fast ausschliesslich mit Chromsalzen gegerbt, was zwar effizient und billig ist, aber dafür extrem umweltschädlich. Rückstände belasten die Gewässer schwer und bleiben auch im Leder zurück. In Europa müssen Gerbereien in vielen Ländern strenge Vorgaben einhalten. Mittels moderner Abwassertechniken können die Umweltschäden durch die Chromgerbung begrenzt werden. All diese Vorschriften führen aber natürlich auch zu höheren Kosten. Dies hat zur Folge, dass Leder heute zu grossen Teilen in Entwicklungsländern, wie beispielsweise Bangladesch, hergestellt wird. Dort führt das zu immensen ökologischen Problemen, da es in diesen Ländern keine gesetzlichen Verbote gibt oder sie schlicht nicht eingehalten werden. So gelangt das giftige Abwasser ungefiltert in die Gewässer. Auch Schutzmassnahmen für die Mitarbeiter*innen sind ungenügend und Kinderarbeit keine Seltenheit. 

Die eigentlichen Leidtragenden, die in dieser Sache leider oft etwas in den Hintergrund treten, sind die Tiere. Diese geben ihre Haut und ihr Leben für die Lederherstellung her. Gemäss der Tierschutzorganisation «PETA» werden jährlich mehr als 1 Milliarde Tiere für die Lederindustrie geschlachtet. Länder die einen grossen Teil der Lederproduktion ausmachen, wie beispielsweise China, Indien oder Bangladesch kennen oft nur unzureichende oder gar keine Tierschutzgesetze. Viele Tiere werden geschächtet und teilweise bereits gehäutet ehe sie tot sind. Das bezeugen die unzähligen Videos, die über Social Media verbreitet werden und auch in Dokumentationen auf YouTube gezeigt werden. 

Als Konsument*in hast du kaum eine Chance, den Ursprung der Tierhaut nachzuvollziehen. Auch wenn zum Beispiel auf Lederschuhen «Made in Italy» steht, heisst das lediglich, dass die Schuhe dort produziert wurden. Wo allerdings das Leder genau herkommt, bleibt dir ungewiss. Zudem kann es auch sehr gut sein, dass es sich bei dem Leder um Tierhäute von Hunden oder Katzen handelt, die in China auch verarbeitet werden.

Was kannst du also selber tun gegen diese Missstände? Am besten ist natürlich, nicht wegschauen und wenn immer möglich auf Leder zu verzichten. Mittlerweile gibt es zahlreiche Alternativen, mit einer deutlich besseren Ökobilanz und ohne Tierleiden. Sogar grosse Marken wie «Birkenstock» oder «Dr. Martens» bieten ihre Schuhe auch in einer lederfreien Variante an.
Mehr Infos zu Leder-Alternativen findest du auf der Website von «PETA»  und eine sehr interessante wenn auch schon etwas ältere Dokumentation über die Lederindustrie in Indien findest du beim «SRF»


Von NH

One thought on “Leder – Mehr als nur ein Nebenprodukt

  1. Persönlich finde ich Leder ein sehr wertiges Material.
    Tierhaltung und Fleischproduktion gehören zu unserer Gesellschaft. Deshalb finde ich man sollte versuchen möglichst viel eines Tieres zu verwerten, so auch die Haut. Es gibt Gerbereien, die mittlerweile ökologisch produzieren. Was mir zu denken gibt ist die Massenproduktion im Textilbereich. Denn da kann man nicht mehr nachvollziehen wo die Produkte herkommen.

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