Nachhaltig Bauen – So Einfach!

Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Doch was bedeutet das für die Architektur? Wie kann die Baubranche unsere Welt positiv beeinflussen und was genau heisst «nachhaltig Bauen»? Antworten auf vier grundlegende Fragen zum Thema findest du hier.

«Nachhaltig Bauen» heisst für viele, nachhaltige Baustoffe zu wählen. Aber dies allein führt noch nicht zu nachhaltigen Gebäuden. Nachhaltigkeit bedeutet, jedem Schritt im Bauprozess Beachtung zu schenken: Planungsphase, Bauausführungsprozess und Nutzungsweise der Bauten. Ganz allgemein sollte man beim nachhaltigen Bauen Rücksicht auf die Bewahrung der Umwelt und des Ökosystems nehmen.

Frage 1: Ist das Thema Nachhaltigkeit wirklich so neu?

Den Nachhaltigkeitsgedanken gibt es in der europäischen Architektur schon seit dem 18. Jahrhundert. Damals wurde der Grundstein mit einem Leitbild für die nachhaltige Bauweise gelegt. Ein damals wie heute wichtiger Punkt: Damit das Gleichgewicht aufrechterhalten wird, muss zum Beispiel mit dem Baustoff Holz sorgsam umgegangen und das geschlagene Holz jeweils wieder aufgeforstet werden. Denn Umweltverträglichkeit, soziale Verantwortung sowie ökonomischer Profit bedingen einander.

Frage 2: Wann ist ein Gebäude nachhaltig?

Ein nachhaltiges Gebäude muss in verschiedenen Aspekten (ökologisch, ökonomisch und sozial-kulturell) eine hohe Qualität aufweisen. Für die Qualität eines einzelnen Gebäudes zählt die ganze Lebenszeit des Bauwerks, die Planung, Errichtung, Nutzung sowie der Rückbau. Das Gebäude muss möglichst lange genutzt werden können oder eine Nachnutzung ermöglichen.

Bild: Haus mit Holzfassadenverkleidung

Frage 3: Was ist wichtig für die Planung bei einem nachhaltigen Bau?

Wo bauen wir? Wieso bauen wir? Brauchen wir wirklich ein Einfamilienhaus im Grünen?

Es ist sinnvoller, an bereits bestehende Infrastrukturen anzuschliessen und Flächen gut auszunutzen. Denn mit der Bebauung und damit vollständigen Versiegelung von Flächen stören wir die natürliche Grundwasserbildung, fördern Hochwasser und verursachen den Rückgang der natürlichen Fauna und Flora.

Die Positionierung und die Gebäudeform können viel ausmachen. Eine kompakte Bauform bedeutet bessere Wärmespeicherung im Winter und Kältespeicherung im Sommer. Die Ausrichtung der Wohnräume und des Daches gegen Süden lassen eine optimale Nutzung der Sonnenenergie zu, was wiederum die Energieeffizienz des Gebäudes unterstützt.

Frage 4: Wann ist ein Baustoff nachhaltig?

Nachhaltige Baustoffe werden mit einem geringen Energieaufwand hergestellt und transportiert. Es sollten nachwachsende Rohstoffe (z.B. Holz, Kork, Flachs) genutzt werden. Holz kann nicht nur für die Statik oder die Fassadenverkleidung gebraucht werden, sondern dient als Faser auch der Wärmedämmung. Nachhaltige Baustoffe lassen sich bei einem Rückbau recyceln oder weiterverwenden.

Eine effiziente Wärmedämmung hilft, die erzeugte Energie im Haus zu bewahren. Dieser Energiebedarf kann mit der geeigneten Gebäudetechnik produziert werden. Die Nutzung von erneuerbarer Energie wie Sonnenenergie, Geothermie, Biomasse, Windkraft und Wasserkraft ist besonders geeignet.

Bild: Haus mit Sonnenkollektoren

Kleine Anpassungen im Innenbereich

Der Einbau eines Einhandmischers (eine Armatur im Bad und Küche) oder eines Spülstopps beim WC kann grosse Wirkungen erzeugen. Ein Konzept für die Mülltrennung und Entsorgung/Recycling ist wichtig und hilft, den Abfall, den wir produzieren, zu verringern. Die einfachste Anpassung, die wir alle machen können, ist angemessen zu heizen. Wir brauchen keine Sauna im Wohnzimmer, nur damit wir auch im Winter mit dem T-Shirt durch die Wohnung gehen können. Eine gute Raumtemperatur liegt im Winter bei 21 Grad Celsius und im Sommer bei etwa 24 Grad Celsius. Für weitere Tipps zum Heizen schaust du dir am besten den Beitrag Wie heizt man richtig? von Fabio Tuor an.

Eine grafische Zusammenstellung zum Thema nachhaltiges Bauen findest du im Beitrag von Bauen für die Zukunft von Bénédict Sandoz. Wir sehen, es gibt viele Möglichkeiten, um mit kleinen Anpassungen im Bauen und Wohnen zur Nachhaltigkeit beizutragen.

von Anabel Baumgartner

2 thoughts on “Nachhaltig Bauen – So Einfach!

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag. Ich kann die darin enthaltenen Themengebiete sehr unterstützen. Wie schon in der Einleitung beschrieben, sollte für ein gutes Ergebnis bei jedem Schritt, von der Planung über die Bauzeit bis hin zum Betrieb ein Augenmerk auf die Nachhaltigkeit gerichtet sein. Nun ist es leider fast immer so, dass über all diese Schritte hinweg immer verschiedene Interessensgruppen mit ihren Ideen aufeinandertreffen, was Entscheidungen oft schwierig gestaltet. Ich bin grundsätzlich kein grosser Freund von Standards, doch an dieser Stelle lohnt es sich, sich mit den verschiedenen Standards für Nachhaltige Bauten auseinander zu setzen. Man bekommt damit ein Werkzeug in die Hand, welches über ein ganzes Planungs- und Ausführungsteam hinweg Leitplanken setzt. Interessant ist dabei unter anderem auch der Standard SNBS «Standard nachhaltiges Bauen Schweiz». https://www.nnbs.ch/ubersicht-standards-und-labels Dieses Label schliesst Themen wie Gesellschaft und Soziales, Mobilität und Umgebung mit ein. Es geht also über das reine Gebäude hinaus. Die FH-Graubünden setzt sich in Zusammenarbeit mit dem Hochbauamt Graubünden aktuell ebenfalls mit diesem Label auseinander. Es sieht also gut aus, dass die Studierenden der FH-Graubünden in geraumer Zeit in einem nach höchsten Nachhaltigkeitsstandards erbauten Hochschulzentrum unterrichtet werden können.

  2. Hallo Anabel,
    Dein Beitrag finde ich sehr spannend, da das Bauen im Allgemeinen nicht nur für den Auftraggeber selbst sondern auch immer für die nachfolgenden Generationen und die ganze Gesellschaft und Umwelt einen Einfluss hat. Deine Inputs sind wichtig und ich hoffe, dass wir in der Zukunft immer mehr und mehr nachhaltige Gebäude sehen – die auch zu einem schönen Stadtbild beitragen können.

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