Keine Klimagerechtigkeit ohne Gendergerechtigkeit!

Der Klimawandel und die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau: Zwei höchst aktuelle und präsente Themen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Die Klima- und Genderproblematik hängen aber stark zusammen und könnten von uns allen gemeinsam gelöst werden. 

Frauen sind vom Klimawandel stärker betroffen – das ist Fakt! Besonders ausgeprägt ist dies in Entwicklungsländern. Sabin Bieri forscht am interdisziplinären Zentrum für nachhaltige Entwicklung und Umwelt (CDE) an der Uni Bern und setzt sich intensiv mit dem Zusammenhang zwischen Gender- und Klimagerechtigkeit auseinander. Sie sagt dazu: «Es beginnt bei allgemeinen Ungleichheiten, wo Frauen tendenziell sowieso weiter hinten in der «Food Chain» kommen.” Dies zeige sich vor allem dann, wenn man sich auf Klimaveränderungen vorbereiten und anpassen müsse. Das ist mit Kosten und Fähigkeiten verbunden und hier haben Frauen meistens schlechteren Zugang zu den entsprechenden Ressourcen.

Frauen holen Wasser.
Bei einer Dürre müssen Frauen viel grössere Strecken zurücklegen, um an Wasser zu kommen, weshalb ihnen weniger Zeit für Bildung bleibt.

Auch wenn klimabedingte Veränderungen oder Naturkatastrophen zu Migration oder Flucht führen, sind Frauen im Nachteil. Das zeigte sich eindrücklich bei der Tsunami-Katastrophe 2004 in Südostasien, bei welcher deutlich mehr Frauen ums Leben gekommen sind. Die traditionellen Kleidervorschriften haben die Frauen bei der Flucht behindert, sie konnten weniger klettern oder haben nie schwimmen gelernt. Allgemein sagt Sabin Bieri: «Frauen sind bei einer Flucht weniger mobil. Sie haben vielleicht keinen Zugang zu einem Auto oder sie haben die Aufsicht über die Kinder.” Oder sie bleiben ganz zurück, ohne finanzielle Ressourcen und (sexueller) Gewalt ausgesetzt.

Studien zeigen, dass Frauen mehr von den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels betroffen sind.
Datenquelle: Global Gender and Climate Alliance (2016). Zusätzliche Analyse von Carbon Brief.

Einer der Hauptgründe, warum Frauen mehr vom Klimawandel betroffen sind, liegt auch bei den immer noch sehr patriarchalen Strukturen in Entwicklungsländern. Frauen haben weniger politische und wirtschaftliche Macht. Aber Bieri meint, die rechtliche Gleichstellung sei erst der Anfang: “Es braucht mehr! Es braucht gezielte Aktionen, die die Geschlechterverhältnisse mitberücksichtigen! Bei Klimaanpassungsstrategien, da gibt es häufig Ausbildungsprogramme, da muss man schauen, dass Frauen Zugang haben, dass sie hingehen können und nicht von häuslichen Pflichten gehindert werden!”

Klima und Gender sind kein Third World-Problem 

Auch in Europa sind Frauen eher vom Klimawandel betroffen. Es gibt zwar wenig empirische Untersuchungen dazu, was aber vor allem in den Industrieländern auffällig ist, dass Männer tendenziell einen grösseren ökologischen Fussabdruck haben. Das hat aber ebenfalls strukturelle Gründe, sagt Bieri: “Es gibt mehr Frauen die vegetarisch leben. Männer essen mehr Fleisch. Ein anderer Befund ist, dass Männer mehr mit privaten Motorfahrzeugen unterwegs sind und weitere Strecken fahren, da sie immer noch mehrheitlich für den Haupterwerb zuständig sind.” Das sei aber nicht nur durch individuelle Präferenzen zu erklären, sondern auch zum Teil durch weniger starkes Umweltbewusstsein.

Frauen und Männer demonstrieren gemeinsam gegen den Klimawandel.
Es braucht uns alle, um das Klima-Problem zu lösen.

Die Bekämpfung des Klimawandels soll aber nicht zu einem Kampf der Geschlechter verkommen. “Es gibt unterschiedliche Betroffenheiten und unterschiedliche Beiträge zu den Ursachen des Klimawandels und trotzdem wissen wir: Es braucht alle, um mit den Folgen des Klimawandels klarzukommen”, sagt Bieri. Deshalb müsse man die Strukturen so bereitstellen, dass alle ihr Möglichstes dazu beitragen, um das Klima-Problem zu lösen. 

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