Wieso Veganismus überdacht werden muss

Vegan. Ein Wort, das in vieler Munde zum Problemlöser aller Gesundheits- und Nachhaltigkeitsprobleme auf dieser Welt gekürt wird. Im Rampenlicht stehen einige Influencer, die vegane Diätpläne vermarkten und damit grössere Aufmerksamkeit erhalten als alle Berichte über die tatsächlichen Probleme unserer Lebensmittelindustrie.

Fleischesser betrachten Veganer als nervige Aktivisten, welche sich mit erhobenem Mahnfinger und ihrem Status als etwas Besseres betiteln. Veganer währenddessen sehen in Fleischessern sich im Widerspruch verstrickte Tiertöter, welche sich die Videoaufnahmen von Schlachthöfen zwar nicht ansehen können, dann aber trotzdem zum günstigsten Fleisch im Supermarkt greifen. Diese Spaltung in der Bevölkerung dürfte es so nicht geben, denn mitten in die Diskussion verwickelt ist der Klimawandel. Die Netflix-Serie Cowspiracy zum Beispiel behauptet, Veganismus sei eine Lösung, um den Klimawandel zu stoppen.

Seit längerem gibt es zwei Hauptgründe, wieso sich Menschen heute vegan ernähren. Einerseits sind es die schlechten Bedingungen, unter denen Tiere zum Verzehr gezüchtet werden. Andererseits ist es der Nutzen, den eine fleischarme Ernährung erwiesenermassen für die Gesundheit mit sich bringt. Ich gehe in diesem Artikel auf eine jüngere Motivation ein: den ökologischen Aspekt von Lebensmitteln.

In Bezug auf die Nachhaltigkeit hat eine vegane Ernährung einen starken Einfluss auf den persönlichen ökologischen Fussabdruck. Der Grund dafür ist der hohe Anteil an Umweltemissionen, den die Fleischindustrie heute produziert. Gemäss der Food and Agroculture Organization der Vereinigten Staaten ist die Fleischproduktion weltweit für 14,5% der Treibhausemissionen verantwortlich. Diese kommen zum Beispiel durch Rinder zustande, die viel Futter benötigen, viel Exkremente ausscheiden und viel Energie für ihre Kultivierung benötigen. Die Rindfleisch-Produktion ist auch für 60% der Entwaldung der Erde verantwortlich, da diese extrem viel Platz in Anspruch nimmt.

Trotz dieser pickelharten Fakten ist Veganismus lange keine Option für jeden. In manchen Ländern ist zum Beispiel Gemüseanbau überhaupt nicht ertragreich, weshalb eine regionale vegane Ernährung an diesen Orten ökologisch gesehen nur Nachteile mit sich bringen würde. In Peters „At All Study Of The Elementor Jurnal“ wurde herausgefunden, dass eine teilweise vegane Ernährung weltweit 807 Millionen Menschen ernähren könnte, während rein vegan mit denselben Ressourcen nur 735 Millionen Menschen ernährt werden könnten. Dies, weil man auf unebenen Bergweiden, auf welchen Rinder noch grasen könnten, keine Pflanzen anbauen kann. Diese Flächen würden bei einer totalen veganen Ernährungsweise somit nicht genutzt werden können. In Amerika leben 23 Millionen Menschen in Essenswüsten, in denen nichts wächst. Eine regionale, frische und breite Ernährung ist für diese Personen nur mit Pflanzen schlicht nicht verfügbar. Ebenso für einkommensschwache Personen: Für sie ist eine teurere, vegane Ernährung keine Option. Fleisch gehört in viele traditionelle Gerichte, welche eine wichtige Verbindung zu Vorfahren und der eigenen Existenz darstellen.

Ich sehe die grundlegende Fehlentwicklung in der Art, wie wir heute Veganer von Nicht-Veganern unterscheiden. Wir sagen: Ich bin Veganer oder ich bin Nicht-Veganer. Der Verzehr von tierischen Produkten bringt jemanden also in einen nicht veganen Status. Durch diese Gruppierung verlieren jegliche Menschen, die nicht ganz auf tierische Produkte verzichten wollen, die Motivation dafür, überhaupt zu verzichten. Menschen dazu zu bringen, weniger Fleisch zu essen, ist möglicherweise einfacher als sie dazu zu bringen, gar kein Fleisch mehr zu essen. Man könnte wahrscheinlich mehr Tiere retten, wenn man diese Schiene fahren würde. Im nachhaltigen Sinne bedeutet vegan zu sein nicht, für den Rest des Lebens auf Fleisch zu verzichten. Klar, könnte das die Realität für einige sein, aber für andere kann es ein Ziel sein. Und nur, weil man einmal ein Stück Huhn gegessen hat, sollte das nicht bedeuten, dass man nicht mehr vegan ist und wieder zu den Fleischessern gehört.

Vom ökologischen Standpunkt her ist es wichtig, wenig Fleisch aus Orten wie Massenställen zu beziehen und stattdessen gelegentlich mehr Geld für Fleisch vom Landwirten in die Hand zu nehmen. So können Weiden bewirtschaftet werden, die von den darauf lebenden Tieren profitieren. Es bedeutet, zu verstehen, was für die eigene lokale Umgebung angemessen ist. Wir können uns vom Konzept des Veganismus lösen und die nachhaltigen Stärken und Hindernisse in Lebensmitteln erkennen, zum Wohle aller.

Empfohlene Artikel

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.