Virtuelles Wasser

Der durchschnittliche Schweizer verbraucht im Haushalt ca. 162 Liter Wasser pro Tag. Dies nicht nur zum Kochen, Trinken oder Putzen. Ein Grossteil des täglichen Wasserverbrauchs entfällt auf die Lebensmittel. Werden die versteckten Wassermengen berücksichtigt, beläuft sich unser Wasserfussabdruck auf 4’200 Liter Wasser pro Person und Tag. Kaum vorstellbar, oder? Noch schockierender ist aber Folgendes: Ein Kilo Rindfleisch kostet über 15’000 Liter Wasser. Doch woher kommt das Wasser und wie können wir diese Zahl reduzieren?

Was ist virtuelles Wasser?
Jedes Produkt und jede Dienstleistung enthaltet versteckte Wassermengen, welche wir als «virtuelles Wasser» bezeichnen. Dieses zählt die gesamte Menge an Wasser, die ein Produkt, in unserem Beispiel ein Kilo Rindfleisch, beinhaltet und zu deren Herstellung verwendet wurde. Somit hinterlässt jedes Produkt einen sogenannten Wasserfussabdruck, welcher sich aus drei verschiedenen Arten von virtuellem Wasser zusammensetzt:

Grünes Wasser:
Die Menge an Regenwasser, die im Boden aufgefangen, von den Pflanzen verdampft und in den Wasserkreislauf zurückgeführt werden.

Blaues Wasser:
Die Menge an Wasser aus Flüssen und Seen oder Grundwasser, die zur künstlichen Bewässerung oder Herstellung von Produkten benutzt wird, was bedeutet, dass wir in das natürliche Ökosystem eingreifen.
Bei der Rindfleischproduktion wird das blaue Wasser zur Tränke der Tiere und Bewässerung der Felder genutzt.

Graues Wasser:
Die Menge an Brauchwasser, welches während des Produktions- und Verarbeitungsbetriebes so stark verunreinigt wird, dass es danach als unbrauchbar gilt.

Wasser ist also nicht gleich Wasser. Da wir uns nun vorstellen können, aus welchen Komponenten sich der Wasserfussabdruck eines Rindssteaks zusammensetzt, wollen wir nun wissen, wie die 15’000 Liter Wasser zustande kommen.

2,9 % der gesamten Menge macht das graue Wasser aus, 3,6 % entfallen auf das blaue Wasser. 93.5 % der 15’000 Liter, welche zur Herstellung von einem Kilo Rindfleisch benötigt werden, bestehen aus grünem Wasser. Dieses Niederschlagswasser wird hauptsächlich zur Futterproduktion für die Tiere benötigt und kehrt dann in den Kreislauf zurück. Dies würde mit oder ohne Nutztiere geschehen. Jedoch dienen die daraus gewonnenen Pflanzen nicht dem Konsum der Menschen, sondern werden für den der Tiere verwendet.

Entfernen wir das grüne Wasser aus der Gleichung, so sind laut meatthefacts.eu ch «nur» noch knapp 1’000 Liter erforderlich, um ein Kilo Rindfleisch herzustellen, da das Tier nicht die gesamte Menge an grünem Wasser verzehrt. Gemäss dem French National Institute for Agricultural Research, INRA, wird davon nur noch 50 Liter «richtiges», also blaues Wasser, aus dem Kreislauf genommen.

Was bedeutet das für uns?
Wir als Konsumenten müssen gezieltere Fragen zur Nachhaltigkeit stellen. Es ist von Bedeutung, ob die Vorräte von blauem Wasser oder von grünem Wasser überbeansprucht werden, da die damit verbundenen Auswirkungen unterschiedlich sind. Um unseren Wasserfussabdruck zu reduzieren und dem Klimawandel zu begegnen, müssen wir nicht auf gewisse Produkte verzichten, sondern lediglich Lebensmittel aus regionaler Produktion konsumieren. Somit stellen wir sicher, dass Entwicklungsländer genug Wasser für die heimische Landwirtschaft haben und wir lange Transportwege verhindern.

Von Šejla Husić

One thought on “Virtuelles Wasser

  1. Im Namen der Nachhaltigkeitskommission der FH Graubünden danke ich euch für diesen Beitrag. Es ist sehr wichtig, das Thema Wasserverbrauch anzusprechen. Oft ist uns nicht bewusst, wie viel Wasser auch in Produkten stecken, in welchen wir das Element Wasser erst gar nicht vermuten. Insbesondere die Auslagerung unseres Wasserverbrauchs in trockene Gebiete wird im Rahmen des Klimawandels noch problematischer. Dieses Thema hat auch einen direkten Bezug zum Thema des Food Waste und der Möglichkeit, diesen über Containern zu verringern.

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